Der Fluch der 13. Fee

Wir wussten von der ersten Stunde an, dass etwas nicht stimmte. Die Ärztin konnte es im Herzen meines kleinen Babys hören. Im Ultraschall konnte man es sehen, eine Herzklappe, die nicht ordentlich schließt. Aber mein Sohn war stark und sichtlich gesund, und nach einer Woche kamen seine Mutter und er heim. Sie brachten eine Warnung mit: eines Tages muss er operiert werden. Alle zwölf Monate wird untersucht, ob es so weit ist. Und so verdrängten wir das Problem, jedes Jahr aufs neue war das Untersuchungsergebnis zufriedenstellend. Mein Sohn wuchs prächtig, ist eine Sportskanone, ein ausgeglichener, ruhiger Zeitgenosse, der an guten Tagen schon mal eine Probe als Klassenbester mit nach Hause bringt. Im Herbst soll er aufs Gymnasium gehen. Doch jetzt hat uns die Warnung aus seiner ersten Stunde eingeholt wie der Fluch der dreizehnten Fee aus Schneewittchen. In einigen Wochen, oder Monaten, werden ihm die Ärzte den Brustkorb öffnen, ein Teil seines Herzens herausschneiden und ersetzen. Es ist jenseits von beängstigend. Erwachsen sein war noch nie so schwer wie heute.

Bild: CC0 von pexels

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